Pellets, Mischfutter und Co

In vielen Supermärkten und Zoohandlungen sind die Regale voll mit Futtermischungen und Snacks für Kaninchen. Sie werden in den unterschiedlichsten Varianten angeboten, hübsch bunt verpackt und mit, für das menschliche Auge, vielversprechendem Inhalt. Da gibt es Mischfutter "light", "junior" oder "Wellness Food", Jogurtdrops mit Beeren oder Kräutern, Knabberstangen mit Nüssen und Honig, Muffins und noch vieles mehr. Den Haltern soll durch dieses Angebot die Kaninchenhaltung erleichtert werden. Einfach das Futter in den Napf und schon ist das Kaninchen mit allem versorgt, was es braucht. Zusätzlich wird den Haltern durch die hübsch geformten Snacks das Gefühl vermitteln, ihren Tieren etwas Gutes zu tun. Also, wozu soll man denn Wiesengrün sammeln, wenn es doch so einfach geht?

Damit ihre Verdauung gut funktioniert, brauchen Kaninchen grobe, möglichst lange Fasern. Ein Großteil des im Handel erhältlichen Futters beinhaltet aber Pellets, Cobs, Ringe und andere Extrudate und diese bestehen aus zusammengepressten Futtermehlen.

Pellets und Extrudate:
Seit den fünfziger Jahren gibt es in Deutschland Kaninchenfutter in Pellet-Form. Es diente damals der Ernährung von Mast- und Zuchtkaninchen. Pellets (und auch die größeren Cobs) werden aus gehäckseltem Heu oder bestimmten Kräutern hergestellt, die fein zermahlen und dann in zylindrische Form gepresst werden. Als Bindemittel wird Melasse (Zuckersirup) verwendet.

Auch Extrudate bestehen aus Futtermehlen und werden zu den unterschiedlichsten Formen verarbeitet. Es gibt sie als bunte Ringe, Kroketten, Würfel, Kissen, Bröckchen und noch vielem mehr.

Warum sind diese Futtermittel schädlich?
Fein zermahlenes Futter kann nicht richtig verdaut werden. Es wird nicht schnell genug weitertransportiert und bleibt viel zu lange im Magen liegen, wodurch sich krankmachende Bakterien vermehren können.

Futtermittelhersteller werben oft damit, dass in Pellets und Extrudaten alle Nährstoffe, Spurenelemente und Vitamine in gleichen Teilen enthalten sind. Die Verpressung verhindert die Selektion von einzelnen Futterbestandteilen und die Tiere erhalten alle nötigen Nährstoffe. Mit der Selektion nimmt man ihnen aber die Möglichkeit, schlechtes Futter auszusortieren. Das heißt, sie sind gezwungen, ausnahmslos alle Futterbestandteile zu fressen, was (je nach Inhaltsstoffen) auf Dauer zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann.

Eine große Pflanzenvielfalt in Pellets lässt sie hochwertig und gesund erscheinen. Aber durch den Verarbeitungsprozess leiden die Inhaltsstoffe und die Qualität der verwendeten Kräuter und Gräser ist nicht mehr nachzuvollziehen. Für Kaninchen macht es keinen Sinn, über vierzig Wildpflanzen in gepresster Form zu fressen, sie werden die selben Pflanzen in ihrer natürlichen Form immer vorziehen.

Da die ursprünglich enthaltenen Vitamine bei der Verarbeitung verlorengehen, müssen sie künstliche wieder zugesetzt werden. Zu viele künstliche Vitamine können Krankheiten verursachen und sie werden von gesund ernährten Kaninchen auch gar nicht benötigt.

Flakes:
Kartoffeln, Erbsen und Maiskörner werden für die Tierfütterung häufig zu Flakes verarbeitet. Durch Hitzebehandlung und Quetschen wird die enthaltene Stärke aufgeschlossen und kann besser verdaut werden. Das klingt erstmal positiv, jedoch sind diese stärkehaltigen Futtermittel wahre Kalorienbomben. Wenn überhaupt, sollte man Flakes daher nur als Leckerli oder im Winter bei Außenhaltung füttern. Für Kaninchen mit erhöhtem Kalorienbedarf können Flakes ein sinnvolles Zusatzfutter sein.

Mischfutter:
Es besteht meistens aus Produkten, die bei der Verarbeitung von Lebensmitteln übrigbleiben. Das sind sogenannte "Pflanzliche Nebenerzeugnisse", die neben Getreide (meistens Weizen), Sonnenblumenkernen und Nüssen die Hauptzutat eines solchen Futters ausmachen. So findet man in Mischfutter oft rote und grüne Bröckchen. Leider handelt es sich dabei nicht um getrocknetes Gemüse, sondern oft um eingefärbte Nebenerzeugnisse aus der Bäckerei. Auch bunte Ringe oder andere Extrudate sowie Mais- und Erbsenflakes werden gern verwendet, um das Futter optisch ansprechender zu gestalten.

Drops:
Sie gelten als Ergänzungsfutter. Es gibt sie in den Geschmacksvarianten Waldbeeren, Gemüse oder Kräuter. Hauptbestandteil dieser Snacks ist Jogurt. Kaninchen vertragen Molkereiprodukte und Milcherzeugnisse überhaupt nicht. Sie entwickeln nach der Säugezeit eine Laktoseintoleranz (wie übrigens alle Säugetiere mit Ausnahme des Menschen) und bekommen von Milchprodukten schwere Verdauungsprobleme.

Knabberstangen:
Sie gehören ebenfalls zu den Ergänzungsfuttermitteln. Hergestellt werden sie aus Getreide, pflanzlichen Nebenerzeugnisse, ganzen Nüssen (Erdnüssen) und Honig. Das Getreide ist fein zermahlen und schädigt daher besonders die empfindliche Verdauung der Kaninchen. Nüsse sind viel zu kalorienreich und der süße Überzug aus Honig verbessert zwar den Geschmack, ist aber alles andere als gesund.

Dieses Futter ist absolut nicht für Kaninchen geeignet! Jogurt, Nüsse und Honig gehören nicht zu einer tiergerechten Ernährung und haben im Kaninchenmagen nichts zu suchen!

Eine gute Nachricht zum Schluss:
Nachdem in vielen Internetforen zum Boykott von handelsüblichem Trockenfutter aufgerufen wurde, hat die Futtermittelindustrie reagiert. Langsam aber sicher findet auch hier ein Umdenken statt. Hersteller wie Vitakraft und JR Farm bringen immer mehr gesundes Futter auf den Markt. Neben den Pellets und Mischfuttermitteln tauchen nun auch reine Trockenkräutermischungen und getrocknetes Gemüse ohne Zusatzstoffe in den Regalen auf.

Trotzdem gilt weiterhin, Augen auf beim Futterkauf! Man sollte sich immer die Zutatenliste auf der Verpackung genau ansehen und sich nicht von reißerischer Werbung in die Irre führen lassen. Je stärker das Futter verarbeitet wurde, desto unnatürlicher und ungeeigneter ist es für Kaninchen.
Und egal welches Trockenfutter man verfüttert, es darf immer nur eine Ergänzung zum Frischfutter sein, niemals ein Frischkostersatz.

Eine kleine Auswahl gesunder Snacks für Kaninchen

 

 Zum Weiterlesen:

Gefahren von Pellets, Cobs und anderer, krümeliger/gepresster Nahrung

Mögliche Futterbestandteile im Fertigfutter


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